Mädchen vom Vater wie Sklavin gehalten
Die Palästinenserin wurde vom eigenen Vater zehn Jahre in einem dunklen Verlies gefangen gehalten.

„Ist das die Sonne? Die Sonne, von der ich so lange geträumt habe?“ Geblendet von den Strahlen der Abendsonne, blinzelte Baraa Melham ins grelle Licht. Es war das erste Mal nach zehn Jahren, dass sie den Himmel sah.
Die 20-jährige Palästinenserin wurde seit ihrem zehnten Lebensjahr vom eigenen Vater in dunklen Räumen gefangen gehalten. Verlassen durfte sie die Zimmer nur nachts. Dann musste sie im Haus putzen.
Nach dem Hinweis einer Tante befreite sie die Polizei jetzt in dem Westbank-Dörfchen Kalkilia. „Jetzt habe ich wieder Spaß. Mein Leben hat begonnen“, freute sich Baraa.
Ein Leben, das zur Hölle wurde, als die Mutter sich von ihrem Mann Hassan trennte. Der bekam das Sorgerecht für Baraa. Mit zehn lief sie von zu Hause weg. Die Polizei brachte sie zurück zum Vater. Der sperrte sie fortan weg, hielt die Tochter wie eine Sklavin. Er schlug sie mit Stöcken und Kabeln. Drohte ihr, sie zu vergewaltigen und zu schwängern. Dann würde er sie töten und behaupten, sie hätte die Familienehre beschmutzt. „Angst, Angst, Angst – daraus bestand mein ganzes Leben“, berichtet Baraa. „Ich hasse meinen Vater nicht. Aber ich hasse, was er mir angetan hat. Warum? Ich verstehe das nicht.“

Der Vater und seine zweite Ehefrau gaben ihr eine Rasierklinge, sagten, sie solle sich töten.
Baraa ist sicher, dass sie nur überlebt hat, weil sie täglich einen Apfel aß und im Radio (das sie seit fünf Jahren besaß) viele Sendungen hörte, in der es um mentale Stärke ging. Jetzt möchte sie gerne Psychologie studieren: „Damit ich Menschen helfen kann, die Ähnliches erlebt haben wie ich.“



















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